Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Münster
Zeit ist Geld - Studentische Initiative der Wirtschaftswissenschaften organisiert Podiumsdiskussion
Die Organisatoren des SOM mit den Referenten.
Im Rahmen der Preview des Symposium Oeconomicum Münster (SOM), die Dienstagabend unter dem Titel "Zeit ist Geld" stattfand, berichtete der Theologe, als erster von drei Referenten über seine Erfahrungen im Umgang mit der Zeit. Ein Teil seines Erfahrungsschatzes geht auf verschiedene Kurse zurück, die er regelmäßig für Führungskräfte aus Wirtschaft, Politik und Kirche veranstaltet.
"Wenn Sie immer nur mit 160 km/h auf der Autobahn unterwegs sind, können Sie weder Schilder lesen, noch Abfahrten wahrnehmen. Nur im Rückspiegel können Sie noch etwas sehen." Unter Zuhilfenahme anschaulicher Beispiele erklärt er den ca. 200 Zuhörern, warum es sich lohnt, einen langsameren Takt anzuschlagen, um vom "Überleben zum Leben zu kommen". Pater Ludger Ägidius Schulte definierte das Ausmaß des empfundenen Zeitmangels als einen Unzufriedenheitsmesser und erläuterte in diesem Zusammenhang: "Hinter Zeitfragen stehen immer Sinnfragen." Das habe zur Folge, dass sich Zeitprobleme nicht durch Zeitmanagement lösen lassen, da das Verwalten der Zeit keinen Einfluss auf das Erleben der Zeit habe.
Im Anschluss an die einführenden philosophischen Ausführungen übergab der Moderator der Veranstaltung, Dr. Uwe Peter Kanning, das Wort an den Praktiker. Oliver Schrott, geschäftsführender Gesellschafter der PR-Agentur Oliver Schrott Kommunikation stellte in seinem Vortrag ein Projekt vor, dem ein beispielloses Zeitmanagement zu Grunde lag. Seine Agentur hatte im Oktober letzten Jahres ein Aufsehen erregendes PR-Event für die Daimler AG organisiert bei dem 36 Mercedes E-Klassen innerhalb von 26 Tagen von Paris nach Peking fuhren. Um den Zuhörern eine Ahnung davon zu geben, welchen organisatorischen Aufwand das Vorhaben mit sich brachte, nannte er zu Beginn der Präsentation ein paar Zahlen: "In fünf Etappen musste unsere Flotte 14.000 Kilometer überbrücken, dabei wurden neun Länder auf zwei Kontinenten und sechs Zeitzonen durchfahren. Die 406 Fahrer kamen aus 36 Ländern. Für sie haben wir haben insgesamt 60 Versicherungspolicen abgeschlossen und 800 Visa beantragt."
Für die mit dem Projekt verbundenen Vorbereitungen hatte die Agentur lediglich neun Monate Zeit, was dazu führte, dass den Beteiligten die Begrenztheit der Zeit immer wieder bewusst wurde. Dennoch wies der PR-Experte darauf hin, wie wichtig es gerade in dieser Phase gewesen sei, sich Pausen zu gönnen um "Dinge tief durch zu denken". Um diese Aussage zu unterstreichen, schloss er seinen Vortrag mit einem Zitat von Alfred Herrenhausen: "Die meiste Zeit geht dadurch verloren, dass man nicht mehr zu Ende denkt."
Der letzte Referent des Abends, Prof. Dr. Julius Kuhl, behandelte das Thema Zeitmanagement aus der wissenschaftlichen Sicht eines Psychologen. Dabei ging es in seiner Präsentation hauptsächlich um die Bildung von Zielen als wichtigste Voraussetzung die eigene Zeit sinnvoll einzuteilen. Die Psychologie unterscheidet dabei zwischen Mikro- und Makroplanung. "Mit Hilfe der Mikroplanung legen wir ein konkretes Ziel fest. Wir schirmen es von anderen Zielen ab und überwachen seinen Erfolg. Diese Art von Planung erfolgt analytisch und bewusst." Im Gegensatz dazu stehe die Makroplanung, die auf Kreativität, Emotionen und persönlichen Erfahrungen fuße. "Die unübersehbare Vielfalt der Möglichkeiten ist eine Tragödie des Menschseins, die man aushalten können muss. Wer immer nur in der Mikroplanung denkt, ist nicht in der Lage den ganzheitlichen Sinn hinter den Zielen zu entdecken." Das Ergebnis seiner wissenschaftlichen Arbeiten zeige, dass der Abgleich zwischen beiden Planungsebenen der Schlüssel zu einem erfolgreichen Zeitmanagement sei.
Im Anschluss an die Vorträge nutzten viele Zuhörer bei einem Glas Sekt die Gelegenheit mit den Referenten über Dinge zu diskutieren, die sie besonders interessierten. Tipps zum persönlichen Zeitmanagement à la "Sie müssen To-Do-Listen anfertigen" blieben weitestgehend aus. Statt dessen haben die Studenten durch die unterschiedlichen Positionen einen besonderen Zugang zum Zeitmanagement erfahren und wichtige Hinweise im Hinblick auf einen bewussten Umgang mit der eigenen Lebenszeit mit auf den Weg bekommen.
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